Bild oben: am Grenzübergang Dom Rep nach Haiti, auf haitianischer Seite.

 

Haiti

 

Im Mai 2015 besuchte ich für 3 Tage Haiti. Oder besser gesagt, die Hauptstadt Port-au-Prince. Räumlich und zeitlich nur ein kleiner Ausschnitt, klar. Aber zeitlebens wohl deutlich in Erinnerung bleibend!

 

Um nach Haiti zu kommen gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Von der Dominikanischen Republik aus ist es das Einfachste mit einem Reisebus von Caribe Tours. Das Terminal befindet sich in Santo Domingo unweit der Zona Colonial (historische Altstadt). Reservierungen sind angebracht, die Busse fahren pünktlich.

 

Leider wurden  fast meine gesamten Fotos von Haiti gelöscht. Scheinbar aus Versehen...

 

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Lago Enriquillo

Interessant auf dem Weg zur Grenze ist der Lago Enriquillo. Der Salzsee hat einen schwankenden Wasserpegel, da eine unterirdische Verbindung zum Meer besteht. Auf meiner Fahrt standen Palmen im Wasser, viele bereits abgestorben. Ein seltsames Bild. Mehr Informationen über den See in meinem Reisebericht über die Dominikanische Republik.

Auf dem Weg zur Grenze gibt es eine kurze Pinkelpause. Eine willkommene Gelegenheit, einen Kaffee zu schlürfen, wenn man den Bus am Morgen nimmt und dafür keine Zeit hatte. Nach ca. 3 Stunden Fahrt erreicht man den Grenzort Jimani. Gleich danach die Grenzkontrolle auf der dominikanischen Seite, völlig unkompliziert.

 

Man hört ja viel von Haiti, meist keine erheiternden Dinge. Es soll das ärmste Land sein in der westlichen Hemisphäre. Hilfslieferungen von der Dom Rep nach Haiti wurden eingestellt, nachdem die LKW-Fahrer in Haiti ermordet und die LKWs geplündert wurden. 2010 ereignete sich ein schweres Erdbeben. Man schätzt die Zahl der Toten auf 316.000, über 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Auch sonst bebt hier auf der westlichen Seite der Insel Hispaniola immer wieder mal die Erde. Dies hat auch zur Folge, dass kaum Firmen in das Land investieren. Deshalb ist auch touristisch hier nicht viel geboten, da sich kaum Touristen hier her verirren. Und das aus einem guten Grund!  

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Grenzübergang von der Dominikanischen Republik nach Haiti. Man beachte links oben im Bild die Werbung für Kondome gegen Geschlechtskrankheiten!

 

Die Grenze ist mit hohem Zaun abgesichert, und auch sonst gut bewacht. Alle Fahrzeuge auf beiden Seiten der Grenze müssen sich durch ein geöffnetes enges Tor zwängen. Immer wieder hält hier und da ein Auto, um auf- oder abzuladen. Da es keine Ausweichplätze gibt, gerät alles ins Stocken. Mit großen Hupkonzert!

Endlich durch´s Tor gekommen mit dem Bus, heißt es wieder aussteigen. Alle Passagiere gehen zu den einfachen Hütten und Containern, die im Halbkreis aufgestellt sind. Alle außer Haitianer müssen an einen extra Schalter. Immer wieder werden irgendwelche Sachen an die in der Schlange Wartenden von jungen haitianischen Männern angeboten. Aufseher mit großen dicken Knüppeln vertreiben die Händler immer wieder. Doch einer von denen bekommt das Holz auf seinen Rücken geknallt und krümmt sich vor Schmerzen. Danach wurden die Einreisenden aus dem Ausland nicht mehr von Händler angesprochen. Brutal, dachte ich. Aber passt zu den Erzählungen, die ich bereits erhalten hatte.

Eine kurze Frage, wie lange man vorhat, in Haiti zu bleiben. Das war´s! Stempel in den Pass und wieder in den sicheren Bus. Es dauerte noch über eine Stunde, bis sich unser Fahrer einen Weg aus dem Getümmel gebahnt hat, und weiter in Richtung Port-au-Prince fahren konnte, der Hauptstadt von Haiti.

 

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Die Situation an der Grenze auf haitianischer Seite würde ich als angespannt bezeichnen. Viel Hektik, Geschrei und Streitigkeiten waren zu beobachten. Ganz anders, als in der Dom Rep. Hier kämpfen sie wirklich ums Überleben. Und diese allgemeine Stimmung konnte jeder auch in ihren Gesichtern ablesen.

Die Haltestelle von Caribe Tours befindet sich im Stadtteil Petionville. Dies soll auch das Viertel sein, das am schönsten ist und auch abends ein bisschen nightlife bietet. Ja, schade, dass ich von hier keine Fotos mehr habe. Als schön verstehe ich aber etwas anderes. Außerdem fühlte ich mich sehr unwohl. Das Hotel mit Bar betreibt ein Amerikaner, der hier wegen der Liebe hängen geblieben, aber mittlerweile wieder solo ist. 

George, mein Guide und Lebensretter!
George, mein Guide und Lebensretter!

Er meinte auch, dass sich seit dem Erdbeben die Lage in Haiti noch weiter verschlechtert hat. Nach Einbruch der Nacht sollte ich besser nicht mehr das Hotel verlassen. Wenn ich Interesse hätte, runter ins Zentrum zu fahren, soll ich auf keinen Fall alleine gehen. Er telefonierte. Am nächsten Tag um 9 Uhr stand George vor mir. Ein Mann in den Siebzigern und dem Englischen mächtig. Er zeigte mir an 2 Tagen Port-au-Prince. Und ich muss sagen, dass ich wirklich froh war, ihn an meiner Seite zu wissen! Es fing schon im Sammeltaxi, ein überfüllter Kleinbus, auf der Fahrt hinunter ins Zentrum an. Er geriet immer wieder in Streit mit irgendwelchen Leuten. Wegen mir? Keine Ahnung, ich verstehe kein Kreolisch.

Am Hafen vorbei, zum großen Hotel vor dem kleinen Park. Dann gingen wir essen unter Planen, die zwischen zwei Gebäuden mit Schnüren aufgespannt waren. Die Leute dort kannte er. Ist ja klar, dass wir dort aßen. War aber gut!

 

Die große Kathedrale war eingezäunt. Wird wohl nie mehr aufgebaut werden. Die Zerstörung durch das Erdbeben war zu groß. Ich mache Fotos von der Kirche und den umliegenden Gebäuden und Geschäften. George muss mich beschützen, streitet laut mit den Männern in der Nähe. Scheinbar haben die etwas dagegen, dass ich fotografiere. George meint nur, wenn ich Bilder machen will, dann soll ich machen.

 

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In Haiti habe ich niemanden mit guter Laune oder einem Lächeln im Gesicht gesehen!

Der Boulevard Jean-Jacques-Dessalines früher wohl die Prachtstraße von Port-au-Prince, jetzt heruntergekommen und verdreckt. Aus den Ritzen der schiefstehenden und einsturzgefährdeten Häuser wachsen schon kleine Bäume. Alle versuchen irgend etwas zu verkaufen. Aus geöffneten Garagen, am Gehsteig, auf Karren. Dinge, die kein Mensch braucht: zerrissene Lautsprecher, Kabel ohne Stecker, Röhren für Fernseher. Junge hübsche Frauen sitzen am Straßenrand vor einem Häufchen Holzkohle, das sie zum Kauf anbieten. Ich will noch eine Flasche Rum kaufen. George führt mich zu einem Haus aus grünen Brettern. Das große Fenster ist vergittert, die Tür ist zugesperrt. Der Verkäufer zeigt mir 2 verschiedene haitianische Rumsorten. Ich nehme den besseren für 15 Euro die Flasche. Schnell lasse ich den Rum in meinen kleinen Rucksack verschwinden. George streitet schon wieder mit den herumstehenden Männern. 

In der Markthalle wird es etwas ruhiger. George führt mich zu seinen Bekannten. Ich kaufe ein paar Andenken. Mehr, als ich eigentlich vorhatte. George zu liebe. Wir essen noch etwas, dann fahren wir wieder nach Petionville, bevor es dunkel wird.

 

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Port-au-Prince

Eins der wenigen Fotos von Port-au-Prince. In selbiger Straße werden auf offener Straße dutzende Sofas, Betten, Wohnzimmerschränke, Sessel verkauft. Daneben Hühner, Gänse, Schweine. 

Kaum zu glauben, aber in der Hauptstadt ist kaum ein Hotel unter 100 € für die Nacht zu finden. Eine Mahlzeit an der Straße kostet 100-200 Gourdes. 1 Euro sind ca. 80 Gourdes. 1 Gourde ist in 100 Centimes unterteilt. Selbst für 50 Centimes würde man noch einen Becher mit  Nüssen am Gehsteig bekommen.

 

Das Ganze stimmte mich traurig. Als ich mit dem Bus wieder zurück gefahren bin, gab es gleich nach dem Start einen Stau für fast eine Stunde: ein Trauerzug bahnte sich den Weg durch die Straßen. Irgendwie ein passender Abschluss.

 

 

Ich war froh, wieder in der Dom Rep angekommen zu sein. Eine Erfahrung dieser Art reicht mir. Aber so weiß man wieder bestimmte Werte wirklich zu schätzen.

Zurück in der Heimat, machte ich meinem Chef den Vorschlag, wenn er wieder mal robuste Leitungskräfte bräuchte, soll er die Bewerber nach Port-au-Prince schicken für eine Woche. Wenn sie überleben, dann würden die sich eignen!

 

Also wenn Menschen Hilfe erhalten sollten, dann sind es die Haitianer!

 

Kommentare: 3
  • #3

    Muva (Sonntag, 09 September 2018 10:40)

    Hi Wongi
    Ich glaube nicht dass man so einen Urlaub braucht.
    Diese Armut zu erleben ist schon eine große Erfahrung und man wird zufrieden mit dem was man hat.Auf jeden Fall hast du bis jetzt immer großes Glück gehabt.
    Aber du liebst ja das Extreme.Der nächste Urlaub ist hoffentlich entspanter.
    Alles Gute MUVA

  • #2

    Elisabeth (Sonntag, 09 September 2018 10:31)

    Dear Wolfgang, been reeding u'r Story over & over again, and wish a lot of People would allthough reed it, than realice, how lucky they & of course we All are, compairing our Life's with their's. It's amazing, how many different Life's, different People, different Land's with their different Natur & Catastrophies & All together in this only one same World for everyone of us. Danger surrounds us everywhere, we just have to learn how to live with it, to protect ourself, to take care of each other & love another to be also able to help each other & being thankful for each day of our Lifes. Thanks Wolfgang, for sharing a real true Story.from the poor Side of a surdan Land in this Part of our World.
    Sincerely u'r Friend Elisabeth

  • #1

    Elisabeth (Samstag, 08 September 2018 19:02)

    Dear Wolfgang, das ist ja erschreckend und nicht ganz ohne Gefahr was Du dort in Haiti gesehen und erlebt hast. Du bist ja mutig, nicht Jedermann Sache! Das glaub ich Dir gerne, dass Du froh warst, diese Tour gut & heil überstanden hast & Dich wieder in Don-Rep sicher fühltest. Aber ich versteh' schon, solche Armut & Alles drum & dran ist für Dich auch sehr wichtig, eigene Erfahrungen zu machen zu sammeln, um das zu schätzen, Deine Heimat & Lebensweise. Für Dich ist das lebens & wissenswert, das Leben der armen Menschen in den anderen Ländern, & bist dankbar für das was Du besitzt,& ich weiß auch, daß Du Manches sogar gerne mit ihnen teilst,& hättest Du mehr, auch teilen würdest! bis jetzt hattest Du ja auch immer wieder das Glück,eine Vertrauens-Person zu finden & Dich an sie zu halten. Allen Respekt & weiterhin viel Glück, u'r true Friend Elisabeth