Foto oben: auf dem Weg nach Sossusvlei

Fortsetzung meiner Reise durchs südliche Afrika.

Die Reise beginnt in Südafrika. Über Namibia, Sambia und Botswana bin ich wieder zurück nach Namibia gereist:

 

Namibia

Tag 20 (08.10.2014) Tsootsha – Harnas (NAM)

Ich war gut in der Zeitplanung. So konnte ich mir noch einen Umweg  erlauben und musste nicht sofort nach Windhoek. Also bog ich von der B6, die in Botswana noch als A2 bezeichnet wurde, in Gobabib nach rechts auf die C22 ab. Das "C" und die Buchstaben im Alphabet danach bedeutet stets Piste. Kilometer für Kilometer keine Kurve. Die Wellen in der Landschaft werden durch Straßen und Pisten nicht einfach "platt" gemacht, sondern man fährt jede Welle mit. Meistens werden die Pisten gut gewartet, so dass es fast keinen Unterschied zur asphaltierten Straße gibt.

Ohne Auto geht hier gar nichts! Mitten im Busch ein kleines Dorf. Meistens gibt es in der Nähe eine riesige Farm, die von Weißen betrieben wird. Die Angestellten wohnen außerhalb, wie zum Beispiel hier.

Hin und wieder sehe ich Pickups, voll beladen mit Lebensmitteln. Je nach dem, wie viele Leute zu versorgen sind, müssen sich die Farmer in die nächste Stadt aufmachen, und kaufen dann für mehrere Tage oder Wochen ein. Nach Windhoek sind es von hier immerhin 5 Stunden mit dem Auto!

Nach eintöniger Fahrt durch ebene Landschaften mit niedrigen Gestrüpp, auf beiden Seiten auch mit Stacheldraht, erreiche ich ohne noch irgendwelche Tiere vor die Kamera zu bekommen, die Einfahrt von der Harnas Wildlife Foundation. Da auch Übernachtungs-möglichkeiten angeschrieben sind, biege ich ab und fahre auch wieder zwischen hohen Stacheldrahtzäunen eine schmale Piste mit lockeren Sand bis zum Gate. Der Wächter dort telefoniert mit dem Camp, gibt meine Autonummer durch, dann darf ich passieren.

Harnas wurde vor über 30 Jahren von Privatleuten gegründet. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, kranke, misshandelte, verwaiste und verletzte Tiere zu pflegen, zu betreuen und auch wieder in die Wildnis zu entlassen. Dazu wurde auf einem Gelände von fast 100 km² Stacheldrahtzäune errichtet, die in 3 Kreisen um das Camp verlaufen. In jedem Areal werden verschiedene Tier gehalten, entsprechend des Zustandes und Gattung der Tiere. Die im äußersten Ring sind die fittesten und werden nach einiger Zeit des Aufenthaltes wieder ausgewildert. Zudem werden die Farmer und Helfer geschult im Umgang mit Raubtieren. Volontäre, meist Studenten aus Europa, verbringen hier 1 bis 2 Semester, um bei der Tierpflege mitzuarbeiten. Die Anzahl von Touristen wird im Camp auf kleiner Zahl reglementiert. Es finden täglich Ausflüge in die nähere Umgebung statt.

Heute Abend waren alle Gäste vom Camp eingeladen zur Raubtierfütterung. Genauer gesagt: mit dem Pickup in den ersten Ring ums Camp zu den Geparden. Sie sollen schon sehr betagt sein und aufgrund ihres Alters auch ihre letzten Tage hier verbringen dürfen.

Jeden Abend zur selben Zeit werden die Katzen mit frischem Fleisch versorgt.  

Ein tolles Erlebnis mit den schnellsten Raubkatzen der Welt auf Tuchfühlung! 

Tag 21 (09.10.2014) Harnas - Windhoek

Etwas traurig war ich schon, da nun allmählich meine Reise zu Ende geht. Ich bemerkte selber, dass ich auf guter Straße langsamer fuhr, als die 3 Wochen vorher. Im letzten Moment registrierte ich das braune Schild in deutscher Sprache. Kurzum drehte ich um und nach kurzer Fahrt auf staubiger Piste erreichte ich den Friedhof. Hererokrieg? Noch nie im Geschichtsunterricht davon gehört. Es ist auffallend, dass die Geburtsorte der gefallenen Soldaten alle im heutigen Polen und Russland liegen.

Je näher ich Windhoek komme, desto mehr Radiosender kann ich empfangen. Hier mal eine Kostprobe von Hit Radio Namibia > Haushaltstipps! Zur Info: Ich legte die Kamera aufs Armaturenbrett, hatte den Radio an, und jetzt nun die Tipps zu den Bananen...

Und hier noch eine Kostprobe aus dem Radio in Namibia. Zunächst spricht ein Mann, danach eine Frau eine Khoisan-Sprache, nämlich Damara. Diese Sprachen enthalten Schnalz- und Klicklaute. Es ist eine von 10 Sprachen, die in Namibia gesprochen werden. 

Dank meines Navis erreichte ich am Nachmittag "mein" Cori-Guesthouse wieder. Das Auto leer geräumt, brachte ich das Auto völlig verdreckt innen und außen wieder zum Vermieter zurück. Dadurch, dass die Heckklappe schon am zweiten Tag nicht mehr richtig abschließbar war, wurde der Innenraum mit einer dicken feinsandigen Schicht bedeckt. Die paar Kratzer an der Fahrertür waren (fast) unsichtbar. In diesem Bereich war die Staubschicht auf dem Lack noch dünn. Ich hoffte, dass es nicht weiter auffällt bei der Rückgabe - und so war es denn auch zu meiner Freude! Allerdings informierte ich den Chef hier, dass ein Abschluss einer Auslandsversicherung für Sambia und Simbabwe nicht notwendig gewesen wäre, da die Grenzer dieser Länder diese Versicherung nicht anerkannt hatten, und dass man pro Fahrzeug umgerechnet ca. 250 Euro dafür zahlen muss. Ein Versicherungsabschluss hier in der Agentur ist somit nicht notwendig. Ich merkte zwar, dass er versuchte, einen verwunderten Blick aufzusetzen. Der Versuch war aber in meinen Augen nicht sehr überzeugend. So muss ich also annehmen, dass er über die Abzocke an den Grenzen schon Bescheid wusste, und weiterhin pro Grenze € 50,00 vom Mieter unnützerweise abkassiert.

Den Rest des Tages schlenderte ich durch das Zentrum Windhoeks. Kaufte Souvenirs und namibische Zeitungen auf Deutsch. 

Am Abend saß ich noch lange mit 4 verrückten südafrikanischen Handwerkern am Grill. Hatten mächtig Spaß. Ich hab noch nie Witze auf Englisch erzählt...

Tag 22 (10.10.2014) Windhoek - Kapstadt

Das war klar: die Südafrikaner waren schon weg, als ich den Frühstücksraum betrat. Ich steckte 2 Toasts in den Toaster, legte Butter, Marmelade und Honig auf meinen Teller. "Scrambled eggs or fried eggs?" "Today fried eggs, please"! Heißes Wasser in die Tasse und 2 Beutel löslichen Kaffee dazu - fertig war mein Frühstück. Den Rest Kaffee nahm ich mit nach draußen und rauchte eine... Die englischen Bulldoggen schauten mich mit ihren herunterhängenden Lidern an und tapsten weiter. Ich saugte die vielen Vogelstimmen ein und schaute hinauf zum lila Baum.

OK, ich wollte ja nochmal in die Stadt. Alles war gepackt, aber ich brauchte noch ein paar deutsche Tageszeitungen und sonstiges. Außerdem wollte ich jetzt das Reiterdenkmal finden und fotografieren. Jetzt war scheinbar alles ganz einfach: ich ging die Mozartstrasse hinauf, bog nach links ab über das Bahngleis,  Bismarckstraße, und dann den Berg hinunter. Gegenüber sah ich schon die braune Kirche. Der Wegweiser zeigte in diese Richtung, auch den Reiter entdeckte ich. An der Kirche angekommen - keine Wegweiser mehr, aber der Reiter war wieder nicht zu sehen. Ich werde diesmal nicht aufgeben, das schwor ich mir! Heute waren viele Touris unterwegs und ich ging nochmal die Treppe zur Festung hinauf. Die Tür zum Innenhof war offen, und: hier sah ich endlich dieses Reiterdenkmal!

Interessanter war für mich wieder mal die Tafel mit den Ehrungen der Gefallenen.

Ich hab in meinem Geschichtsunterricht nie etwas davon gehört. Da fahren zehntausende Deutsche vor über Hundert Jahren nach Afrika, reißen sich den Arsch auf für Bismarck, und im Geschichtsunterricht an bayrischen Schulen wird Deutsch-Süd-West-Afrika nicht erwähnt.

Jedenfalls habe ich keine Anti-Deutsche Stimmung im Land feststellen können. Schließlich wohnen noch viele Deutsche (die meisten von ihnen waren noch nie Deutschland) in Städten wie Windhoek, Walvis Bay und Swakopmund. Die Farmer mit den großen Rinderherden im ganzen Land verteilt, nicht mitgezählt.

Eine Geschichte muss ich aber noch loswerden: ich schlenderte also mit meinem Rucksack, mit Kameras, Geldbeutel, Brieftasche und alles was sonst noch wichtig ist, durch Windhoek-City. Machte Fotos von den Meteoriten und Geschäften mit deutschen Schriftzügen. Plötzlich hörte ich, dass ein Reißverschluss an meinem Rucksack geöffnet wurde, den ich am Rücken trug. Blitzartig drehte ich mich um, und blickte in die Augen eines Einheimischen, der seine Zeitung fallen ließ. Er schimpfte, aber ich verstand ihn nicht. Da die Szene noch andere Passanten beobachtet hatten, wollte er sich durch seine laute Stimme unschuldig schreien, so als ob er sagte, was mir einfällt, ihn zu erschrecken, weil ich mich so schnell umgedreht hatte und stehen blieb, so dass er die Zeitung verloren hat. Schnellen Schrittes ging er davon. Die anderen fragten, ob mir etwas zugestoßen sei. Ich verneinte - der Übertäter war weg.

Um 13 Uhr, wie vereinbart, war ich bei Caprivi Car Hire zurück. Keine Mängel, alles OK! Schließlich hatte ich den Kratzer an der linken Seite vom Suzuki 3 x poliert. Wie könnte es anders sein: ein Angestellter fährt mich zum Flughafen. Dort angekommen, dann die Überraschung: 6 kg zu viel! Der Flug von Cape Town über Dubai nach Frankfurt lässt 32 kg zu. Aber ich bin ja noch in Windhoek! Und die lassen nur 25 kg zu! Die nette Dame am Schalter riet mir, eine zusätzliche Tasche zu kaufen, da ich das Gesamtgewicht auf 2 Taschen verteilen könnte, und eine Tasche als Handgepäck nehmen darf. Ich bedankte mich für den Tipp und ging zum Taschenladen. Entsetzen! Die günstigste Tasche kostete dort 50 Euro! Ein Plastikbeutel 20 Euro, der wahrscheinlich den Ansprüchen nicht gewachsen gewesen wäre. Was blieb mir übrig? Ich besuchte die Toilette und Bier und Wasser musste ich hier lassen, Papier und Bücher noch ins Handgepäck (mein Rucksack), dann ging´s... Irgendjemand wird sich gefreut haben aufs Bier! Zu Fuß wieder vom Terminal zum Flieger.  

Duty free geht nicht, da Namibia mit Südafrika eine Art Währungsgemeinschaft hat, wie Europa. Also keine billigen Zigaretten oder Wodka!

Langsam wurde es dunkel. Man konnte aber vom Flugzeug aus noch gut die Konturen der Saldanha-Bucht erkennen...

Jetzt geht´s wieder nach Südafrika! 

Auf den Button hier klicken!