Foto oben: Nordalbanien, Valbona Tal

 

ALBANIEN

 

Von 1961 bis zur neuen Verfassungsgebung im Jahr 1998 kapselte sich Albanien unter Enver Hoxha (Diktator von 1944 - 1985) völlig vom Rest der Welt ab. Inzwischen steht Albanien auf der Liste für den Beitritt in die Europäische Union, und bereitet sich schon auf den bevorstehenden Tourismus vor. Das Land hat Einiges zu bieten, allem voran die Gastfreundlichkeit der Albaner!

Es gibt Direktflüge von Frankfurt. Günstiger ist es mit Austrian Airline, mit Zwischenlandung in Wien. Die Preise sind für Essen, Trinken und öffentliche Verkehrsmittel sehr günstig. Das wird sich mit Einführung des Euros schnell ändern. 1 Euro entspricht 125 Lek.

 

Albanien, Tirana
Tirana aus der Luft beim Rückflug

Die blauen Markierungen zeigen die wichtigsten Orte auf meiner Reise und sind meistens verlinkt mit weiteren Informationen.


(1) Tirana

Um Mitternacht genau landete ich auf dem internationalen Flughafen Nënë Tereza von Tirana. Bis alle Angelegenheiten inclusive Mietwagen erledigt waren, war es fast 2 Uhr morgens geworden, bis ich bei meiner Unterkunft angelangt war. Da es sich um eine Privatunterkunft über Airbnb handelte, wartete, wie verabredet der Hausherr an der Straße bei einer Bar. Wir haben uns gleich gut (auf Englisch) verstanden, so beschlossen wir, noch etwas Trinken zu gehen...

Nach dem Frühstück schlenderte ich durchs Zentrum:

Fast 60% der albanischen Bevölkerung ist muslimisch. Nur im äußersten Nordwesten gibt es mit einem Anteil von etwa 16% Albaner christlichen Glaubens. Deshalb ist das Stadtbild hier geprägt mit Moscheen und seinen Minaretts.

Tirana, Moschee
Kleine Moschee in Tirana im Stadtzentrum. Verschleierte Frauen sucht man jedoch hier vergebens.

 

Mitten in der Stadt wurde zu Ehren Envar Hoxhas dieses Museum erbaut. Heute dient es als Kongresszentrum, nachdem sich die Bevölkerung für den Erhalt entschieden hatte.

Pyramide von Tirana
Pyramide von Tirana

Ein Besuch der riesigen unterirdischen Bunkeranlage darf natürlich nicht fehlen, wenn man schon mal hier in der Hauptstadt ist.

Die Anlage liegt etwas außerhalb, Stadtbusse halten in der Nähe. Man sollte mindestens 3 besser 4 Stunden für seine Besichtigung einplanen. 

Schon der Eingang, hier abgebildet, ist ein 500 Meter langer Tunnel durch einen Berg. Auf der anderen Seite steht man dann auf einem großen Platz mit ehemaligen Regierungsgebäuden. Es warten mehrere Kilometer Gänge und Tunnels, sowie über 100 Räume auf dich!

 

Der Eingang in das Tunnel- und Bunkersystem

 

Die Räume: Büro, Funkraum, Kino, Lebensmittelgeschäft, um nur eine kleine Auswahl zu nennen

Es ist quasi eine kleine Stadt unter der Stadt. Sollte wohl auch im Ernstfall für lange Zeit einen sicheren Schutz bieten, mit Annehmlichkeiten aller Art.

Und da es thematisch noch hier mit dazu passt: Hoxha ließ im ganzen Land Bunker errichten, die angestrebte Anzahl von 221.143 Bunker wurde nicht ganz erreicht:

Und so sehen die Bunker aus, die man noch überall im Land sehen kann:

Wie riesige Pilze stehen diese Bunker oft am Straßenrand, oder in der Landschaft verstreut.
Wie riesige Pilze stehen diese Bunker oft am Straßenrand, oder in der Landschaft verstreut.

(2) Kruja

Nördlich von Tirana befindet sich der kleine Ort Kruja. Im Mittelalter einst die Hauptstadt des albanischen Staates, zieht es Besucher vor allem wegen zwei Dingen an: einmal wegen der Burg Skanderbeg und zum anderen wegen des Bazars. Die Burg Skanderbeg thront über Kruja und ist vollständig restauriert. Allerdings wurde die Burg so hergerichtet, dass sehr viel neues Baumaterial Verwendung fand, und somit überhaupt nicht mehr alt und historisch aussieht:

Albanien, Kruja, Skanderbeg
Kruja: Burg Skanderbeg

Der Namensgeber für die Burg und die Bergkette dahinter, ein albanischer Fürst zu Zeiten des römischen Reiches.

Auf dem Weg hoch zur Burg, der Bazar. Hier findet man noch mehr echte Handarbeit und alte Sachen, wie auf anderen Märkten.

Albanien, Kruja: Bazar vor der Burg Skanderbeg
Kruja: Bazar vor der Burg Skanderbeg

(3) Auf dem Weg in den Norden: Bajiram Curr - Valbona

Es war Mitte April, und die Nächte noch kalt. der Schnee lag noch ab einer Höhe von 1000 m.

Bei dem Ort Kukes, am Fluss Drin gelegen, ein riesiger Staudamm, der den Fluss auf eine Länge von 20 km staut. 

Die Straße davor und danach durchfährt jedes Tal bis zum Ende, so dass man auf der anderen Seite des Tals wieder auf die gegenüberliegende Seite den Weg sehen kann, auf dem man vor einer knappen halben Stunde hinter gefahren ist. Und so durchfährt man viele Täler, doch Luftlinie nähert man sich nur sehr langsam seinem Ziel.

Tagesziel soll Bajiram Curr sein, um am nächsten Tag bis nach Valbona zu fahren. Dort hört die Straße dann in einem Tal auf.

Kukes: hier wird die Drin gestaut
Kukes: hier wird die Drin gestaut
Albanien: Bajiram Curr
Bajiram Curr - Ausgangsort mit einigen Hotels ins Valbona Tal

Da ja noch keine Saison war, hatte ich auch kein geöffnetes Restaurant gefunden. Bis mich ein Mann angesprochen hat, der fließend Deutsch konnte. Er ging mit mir zu einem Restaurant, das auch geschlossen hatte. Es war bereits 19 Uhr. Er klopfte an der Tür, und eine Frau öffnete uns. Nach kurzer Erklärung sollte ich im Restaurant Platz nehmen. Ich erhielt die Speisekarte, wählte aus, und rauchte erst mal eine. Das Abendessen mit frischen Salat und Bier kam nach einer 1/4 Stunde. Und da fragte ich mich, wo es das bei uns gibt, dass wegen einer Person die Küche aufmacht!

Albanien: Bajiram Curr
Albanien: Bajiram Curr, Ausblick vom Balkon meines Hotels

(4) Valbona

Valbona wird zwar als Ort in den Karten eingezeichnet. Das Ende der Straße nach ca. 30 km Fahrt von Bajiram Curr aus, mündet in einen großen Parkplatz eines riesigen Hotels. Schon die Fahrt dort hin bedarf einiger Konzentration, da man zu leicht von der schönen Landschaft abgelenkt wird...

Nach dem Frühstück im Hotel in Valbona (Kaffee, Brötchen, Eier, Marmelade, Wurst usw für 3 Euros) wollte ich so weit wie möglich ins Tal hinter laufen. Es gibt einen Wanderweg über die Berge nach Theth. Dafür war aber keine Zeit. Man läuft anfangs durch ein breites, fast trockenes Flussbett auf großen Kieselsteinen. Danach beginnt ein schöner, für Fahrzeuge einspuriger Weg. Nur wenige Wanderer unterwegs. Mit dem blauen Taxi ließen sich ein paar ältere Herrschaften ins Tal fahren.

Eigentlich das Skigebiet schlechthin in Albanien. Für Sommerurlauber jedoch noch zu früh im Jahr. Ganz hinten ein paar Häuser und ein Wasserfall:

Am späten Nachmittag machte ich mich mit dem Auto auf den Rückweg nach Bajiram Curr. 

 

(5) Koman See

Nach Fierze sind es nur ca. 15 Kilometer. Von hier fährt die Fähre, die auch PKW´s in begrenzter Stückzahl mitnehmen kann, auf einem weiteren Staussee auf der Drin bis zur Ortschaft Koman. Am Tag vorher bin ich schon mal nach Fierze gefahren, und die Fahrt mit PKW bezahlt. Das ist vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer anzuraten, wegen Platz für´s Auto. 

Die Fähre ist die weiß-blaue, links im Bild natürlich!

Pünktlich legen wir ab, und es sind dann doch so an die 30 Passagiere.

Die Fahrt dauert ca. 2 1/2 Stunden, und führt durch tiefe Schluchten. Man denkt, man ist in Norwegen in einem Fjord.

Tiefblaues Wasser und ein sonniger Tag.

Albanien, Fierze, Koman, Fähre
Koman See

Nur das dumpfe Dröhnen des Motors von der Fähre. An den Steilhängen kleine Herden von Schafen und Ziegen. Die Landschaft zieht wie im Film vorüber...

Nach etwa einer Stunde Fahrt, gingen die Motoren der Fähre aus. Die Mannschaft, leicht nervös, versuchte die Fähre wieder manövrierbar zu machen. Doch leider gelang es nicht, so trieben wir mit der Strömung ans Ufer und mit dem Bug ins Gebüsch, da ja ein Schiff nicht mehr lenkbar ist, wenn der Motor ausfällt.

Aber nach einer Weile funktionierte alles wieder und wir konnten die Fahrt fortsetzen!

Scheinbar völlig von der Außenwelt abgeschnitten, die wenigen Bauernhäuser am Ufer. Die Fähre kann hier nicht anhalten und eine Straße am Stausee habe ich auf der Landkarte auch nicht entdeckt.

An manchen Passagen denkt man, dass es nicht mehr weiter geht. Es wird teilweise sehr eng und kurvig, so dass man nicht abschätzen kann, in welche Richtung die Fähre am scheinbaren Ende fahren muss.

Da kann es schon mal passieren, dass eine Ziege oder Schaf vom Steilhang ins Wasser fällt und keine Chance hat, das Ufer zu betreten, weil die Felswände meist senkrecht im Wasser stehen.

Ziel erreicht: der kleine Ort Koman, auf der anderen Seite des Berges. Ein Tunnel verbindet die Anlegestelle mit dem Rest der Welt.

(6) Lezha

Meine sechste Station ist die Stadt Lezha. Viele Hotels gibt es hier nicht. Von Norden kommend, biege ich nach links zur Stadt ab, und halte gleich beim ersten Hotel. Es ist neu, und von ehemaligen Gastarbeitern aus Deutschland erbaut.

Ich spaziere durchs Zentrum und finde kein Restaurant. Also esse ich im Hotel.

Hoch über der Stadt die Burgruine. Der Wind dort oben war so heftig, dass man sich fast festhalten musste, um nicht weggeweht zu werden. Es stehen nur noch ein paar Mauern, die Aussicht ist jedoch lohnenswert. 

Neben der Burg ist das Skanderbeg Mausoleum, die wichtigste Sehenswürdigkeit von Lezha. Im Umfeld wird auch noch gegraben, und mit Dächern vor Regen geschützt.

Albanien, Lezha, Burg
Die Stadt Lezha an der Küste, etwa 50 km nördlich von Tirana

Der Küstenstreifen ist Erholungs- und Naturschutzgebiet mit zahlreichen Vogelarten, wie Pelikan, Reiher usw. Leider regnete es inzwischen in Strömen, so dass sich kein Vogel blicken ließ.

Sogar hier auf den sumpfigen Inseln wurden Bunker errichtet.

Und solche Häuschen könnte man sich in den Ferien mieten.

(7) Dajti Ekspres

Wieder zurück in Tirana, war das Wetter wieder sehr schön. Mit dem Dajti Ekspres von Tirana aus auf den Dajti Berg, den Hausberg der Hauptstadt sozusagen. Es ist die einzige Seilbahn von Albanien, aber auch die längste auf dem Balkan.

Der Berg wird mit 1613 m Höhe angegeben. Der Gipfel ist allerdings wegen den Senderanlagen gesperrt.

Die Aussicht ist famos!

Albanien, Tirana, Dajti
Blick vom Berg Dajti auf Tirana

So habe ich also meine Osterfeiertage 2017 verbracht. Ein kleines Land, das jedoch aufgrund der vielen Berge, nur langsam erkundet werden kann. Autobahnen gibt es so gut wie keine. Und obwohl der Straßenbau voranschreitet, sollte man doch lieber etwas mehr Zeit einplanen, und sich nicht nur von den zurückzulegenden Kilometern verleiten lassen.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Elisabeth (Montag, 03 Dezember 2018 13:40)

    Hallo, dear Wolfgang; again a very good & clear Report of one of your passed Vacation trip to Albanien! Amazing how U can remember so many things in so good Details, guess, sometimes a lot of your Pictures are helping U, by looking at them again! Yes, their too, you took some great interesting Pictures, although passing on with your Storys the History's of the different Country's Lands & so on, great, I admire you! Mit diesen einmaligen Aufnahmen, Tunnels, kleine Stadt unter der Stadt, Bunkers in Pilzform an den Stadtränden, Burg Märkte usw.my Kompliment. Realy enjoy each one of u'r Report's. Thank you again; because I'm learning a little bit from U about the whole wide World, since, I have never had the Opportunity to see any of these Places except USA military wise, & of course my Home-Country Oberfranken, danke u'r true Friend Elisabeth