Foto oben: Die Kiribati Insel Maiana kurz vor der Landung auf Tarawa

 

 

kiribati

Warum Kiribati? Kaum jemand kennt diesen Inselstaat. So einen richtigen Reiseführer gibt es nicht. Touristisch ist Kiribati noch vollkommen unerschlossen. Deshalb wird auch ein Aufenthalt, wie auf Fidschi oder Cook Islands, ein vollkommen anderer sein. Aufmerksam wurde ich über verschiedene Berichte über diesen Inselstaat. Angeblich soll es das erste Land sein, das aufgrund der Klimaerwärmung von der Landkarte verschwindet. Der offizielle Internet Auftritt von Kiribati hat mich ebenfalls angesprochen. Ja, mag komisch klingen, aber die Flagge von Kiribati finde ich sehr schön. Meine Erlebnisse und Beschreibung der Sehenswürdigkeiten möchte ich nun hier im Reisebericht über Kiribati, Tarawa, darstellen.

 

(1) Fidschi > Kiribati

Korallenatoll, Atoll von Kiribati, Maiana, Tarawa
Eine der zahlreichen Atolle von Kiribati

Das Flugzeug in Nadi startete pünktlich um 8:00 Uhr morgens. Nach 3 Stunden, kurz vor der Landung auf Tarawa, der Hauptinsel von Kiribati (ausgesprochen: kiribass), überflogen wir die ersten Inseln dieses Inselstaates. Alle Inseln wiesen mehr oder weniger die gleiche Erscheinungsform auf: ein schmales Band, das durch kleinere Inseln verlängert wird, und auf einer scheinbaren Kreislinie liegen. In der Mitte die Lagune, mal hellblau, mal türkis oder grün. Der äußere Ring bildet das Korallenriff, an dem die Wellen des Pazifiks brechen, und das Festland nie erreichen. Von hier oben, ein Paradies, so scheint es. Dem ist aber nicht so!

Internationaler Flughafen, Airport, Tarawa, Kiribati

Das Flughafengebäude ist eine Bretterbude mit Wellblechdach und Plastikplanen. Auf den wenigen Koffer Trolleys steht ganz groß: "Gift from Taiwan". Ähnlich wie schon bei der Ankunft in Fidschi, auch hier ein paar Musikanten am Ausgang, die die Ankommenden mit Musik und Gesang Willkommen heißen.

Eine Angestellte vom Hotel in Bairiki holte mich zusammen mit vier anderen Hotelgästen ab.

Tarawa, Kiribati

Die 25 Kilometer zum Hotel führte auf einer gut gebauten Straße mal zwischen Hütten hindurch, oder auf Abschnitten, die gerade mal so breit sind, wie die Straße.

Was mir auffiel: die Geschwindigkeitsbeschränkung in Ortschaften 40 km/h außerhalb 60 km/h. Alle Autos fahren aber langsamer, als vorgeschrieben. Es dauerte also fast 1 Stunde bis zum Hotel. Wegen der langsamen Fahrt erscheint diese Insel auch somit größer, als sie eigentlich ist: nämlich 35 Kilometer in Gesamtlänge.

Tarawa, Kiribati, Bairiki
Zentrum von Bairiki

Im Hotel angekommen - Stadtcharakter hat hier kein Ort, auch nicht die Hauptstadt - fällt einem unweigerlich der viele Müll überall auf.

Das Zimmer war groß und sauber, Matratze gut und die Dusche auch ok. Sofort die AC eingeschaltet.

Es ist so heiß und feucht hier auf der Insel...

An der Rezeption nachgefragt, wo man hier ein Moped mieten kann. "Wir haben hier keine Mopeds auf der Insel", bekam ich zur Antwort, "jeder fährt Auto". Dabei wär das hier so richtig schön mit einem Roller zu fahren. Es weht kein Lüftchen hier! Also gut, dann halt ein Auto.

Gleich neben dem Hotel befindet sich ein großer Sportplatz, auf dem den ganzen Tag Sportwettkämpfe stattfinden.

Tja, was mache ich hier? Ich laufe erst mal die nähere Umgebung ab. Überall Müll, v. a. am Strand.

Mittags entdeckte ich hinter dem Hotel wohl so etwas Ähnliches wie ein Restaurant: 6 Tische mit Stühlen unter einem Gestell mit Wellblechdach ohne Wände. Ich bestellte das Gleiche, wie der Mann am Nachbartisch, ohne zu wissen, was es ist. Aber es sah gut aus. Ich bekam Reis mit gebratenen Hähnchenteilen. Die chinesischen Soßen auf dem Tisch schmeckten mir nicht, so dass es eine recht trockene Angelegenheit war. Mein Nachbar schüttete immer ordentlich aus diesen Flaschen in seinen Teller. 

Tarawa, Kiribati, Bairiki

Am Ortsausgang gehe ich dem Schild "Wharf" nach. Auf einer überdachten Bank vor dem kleinen Hafenbecken beobachte ich, wie Männer große Blechfässer die Rampe ins Meer hinab rollen. Was da wohl drin sein mag? Die Fässer tauchen bis über die Hälfte ins Wasser ein und die Kinder spielen damit. Dann werden alle 16 Fässer mit vereinten Kräften auf ein Auslegerboot gezerrt. Als alle Fässer gesichert waren, stiegen noch Passagiere mit ihrem Gepäck dazu.

Es ist also die Fähre nach North Tarawa, das nur per 

Tarawa, Kiribati, Bairiki

Boot zu erreichen ist, da bisher vom südlichen Teil der Insel keine Brücken auf diesen Teil gebaut wurden. Wie ich später erfuhr, war Diesel und Benzin in den Fässern, um North Tarawa zu versorgen. 

Gegenüber vom Hotel gibt es einen kleinen modernen Laden. Ich kaufte Wasser, Cola und australischen Rotwein.

War aber Fusel, wie sich abends herausstellte, und das für 22,- AU$!

 

 

(2) Kiribati

Das Frühstück im Hotel fiel etwas mager aus: Toastbrot, Marmelade, Nescafe. Das Toastbrot musst du selber aus dem Beutel nehmen und in den Toaster stecken. Eine Art Butter ist in kleinen Portionen abgepackt. Aus dem großen Marmeladenglas muss jeder selber mit seinem Messer den Inhalt herausnehmen. Da sich auf der Oberfläche der Marmelade im Glas schon viele Butterstückchen befanden, denke ich, dass sich die Gäste erst das Toastbrot mit Butter bestreichen, eh sie dann nach Marmelade graben. Schon bissl eklig. 2 Beutel Nescafe sind die richtige Menge für die großen Tassen, die bereit stehen. Aus dem Wasserkocher fließt heißes Wasser. Anderen Kaffee gibt es auf der ganzen Insel nicht.

Tarawa, Kiribati, Bairiki

Pünktlich um 9:00 Uhr konnte ich den Schlüssel vom Subaru in Empfang nehmen. Der Tag kosten 65,- AU$, also ca. 40,- €. Noch Geld vom ATM geholt, dann ging´s los nach Betio (ausgesprochen wird das beso). Betio ist der größte Ort am westlichen Ende der Insel. Der 3 Kilometer lange Causeway dort hin ist noch nicht ganz fertig, wird mit japanischer Hilfe gebaut und führt über einen Damm, der grade so breit ist, wie die 2-spurige Straße. Am Ortseingang von Betio muss man an dem Mauthäuschen 0,20 AU$ zahlen, also 12 € Cent.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Danach liegt links gleich der Taiwan-Park. Ein schmaler Grünstreifen zwischen Straße und Strand. Auf der anderen Seite zur Lagune hin, wird die schmale Fläche zur Aufbereitung der Straßenoberfläche genutzt.

Ich fahre links in den Park, ist ja nur ein paar Meter breit. Zwischen Palmen und anderen Bäumen überall Müll. Am Strand und im Wasser liegen Autoteile, Reifen, Plastik und Blech. Es ist Ebbe und das Meer stinkt. Die Menschen kacken hinein. Im Park stinkt es nach Urin. Hier geht niemand freiwillig ins Meer. Ich fahre weiter. Ans Hinlegen im Schatten also nicht zu denken.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Am Ufer zum Riff stehen immer wieder große Betonsockel mit verrosteten, beschädigten Kanonen aus der Zeit des 2. Weltkrieges von den Japanern. Noch kurz vom Friedhof Fotos gemacht. Am Ende der Insel noch ein Geschütz mit Bunker, und ein großes dickes schwarzes Rohr, das sich in Schlangenlinien ins Meer windet... zur Abwasserbeseitigung.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Ich will an den nördlichen Zipfel, da ich hier vom Bunker aus 2 Schiffswracks erspäht habe.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Irgendwann endet die Straße und ich fahre zwischen den Hütten hindurch. Niemand stört sich daran.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Am Ziel angekommen, mache ich noch mehr Wracks aus, und stehe mal wieder mitten im Müll.

Es ist heiß, es stinkt und es gibt viele lästige Fliegen...

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

An der oberen Main Road steht eine bunte Kirche. Ich fahre nach links zum Hafen. Außer ein paar Anglern und verrosteten Schiffen nichts weiter zu sehen. Die obere Main Road mündet wieder in die Straße, auf der ich gekommen bin. Ich will hier weg. Auf dem Rückweg in Richtung Bairiki wird an der Mautstelle nichts verlangt.

 

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Parlament

So fahre ich die gesamten 35 Kilometer, die möglich sind, zuerst am Parlamentsgebäude, dann am Flughafen vorbei, bis ans andere Ende der Insel. Hin und wieder halte ich an, und gehe nach links und rechts zum Strand. Jedes Mal derselbe Anblick: Müll.

Nach dem Flughafen führt eine alte Brücke auf die erste Insel von North Tarawa.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Doch schon zur zweiten Insel fehlt eine Brücke. Die Einheimischen laufen bei Flut durchs kniehohe Wasser. Bei Ebbe ist es knöcheltief. Auf jeder der nachfolgenden Inselchen sind Straßen eingezeichnet, aber ohne Verkehrsanbindung zur nächsten Insel. Hier scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

Ich kehre wieder um, und umfahre den Flughafen auf östlicher Seite. Das Flughafengelände ist zwar umzäunt, aber die Insel hat an Platz zwischen Zaun und Meer verloren. Deshalb wurde nachträglich ein Tor in den Zaun gebaut, das immer offen steht. Vielleicht ist in der Vergangenheit mal ein Stück Insel abgebrochen. Am Foto rechts unten sieht man die künstliche Befestigung zum Ufer hin.

Auf ca. 1 Kilometer fährt man dann auf dem Flughafengelände (also parallel zur Start- und Landebahn), bis zum nächsten Tor im Zaun. Dann ist man wieder draußen.

In der Karte sehe ich Cafés und Restaurants eingezeichnet, die ich aber bei meiner Suche nicht finden kann. Um 15 Uhr bin ich wieder beim Hotel in Bairiki. Das war´s also: alles gesehen!

Tarawa, Kiribati, Bairiki

Ach nein!

Fast hätte ich es vergessen: den höchsten Punkt der Insel. Dieser ist sogar in der Karte als Sehenswürdigkeit  gekennzeichnet. Tatsächlich ein kleiner Hubbel, den die Straßenbauer stehen ließen. Es geht genau die Straße drüber, und ist vielleicht 5 Meter über NN. Ansonsten sind das immer zwischen 1 -2 Meter Höhe der Insel.

Am Abend fahre ich zu einer Bar nach Betio, die wohl zum Hotel gehört. Liegt direkt am Meer, wie fast alles hier. Nur wenige Gäste. Die Band benötigt viel Zeit für den Aufbau ihrer Musikanlage. Eigentlich alles schön gemacht, aber es wirkt doch alles heruntergekommen. Außen am Strand stehen Pflöcke mit Querbalken zum Draufsitzen. Manche Balken liegen im Sand. Es wird nichts instand gehalten, wie auch innen. Fällt ein Balken runter, dann bleibt er halt einfach liegen.

Endlich! Die Band beginnt zu Spielen. Aber nicht schön.

Tarawa, Kiribati, Betio

So fahre ich nochmals nach Betio hinein, da ich ein Foto vom Mahnmal der Japaner (Japanese Control Centre 1945) machen möchte. Das habe ich bei meiner ersten Fahrt hier übersehen. Das Gebäude wird von grellen Scheinwerfern angestrahlt, die Fotos gelingen einigermaßen.

Auf meinem Rückweg zum Auto höre ich Gesang. Ich laufe in die Seitenstraße, und möchte mir das aus der Nähe ansehen, bzw. anhören. Es ist dunkel. Beim dritten Haus befinden sich auf der eingezäunten Terrasse Tänzer und eine Gesangsgruppe, bestehend aus Männern, Frauen und Kinder. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen Tracht. Bei dem Gesang und dem Tanz läuft mir die Gänsehaut den Rücken rauf und runter. Fantastisch, ich bin begeistert! Scheinbar üben sie ein bestimmtes Lied, da manche Stellen immer wieder wiederholt werden. Es ist schon 23 Uhr, als sie ihre Aufführung beenden.

Ich fahre begeistert zurück in Richtung Hotel. Allein wegen diesem Erlebnis hat es sich schon gelohnt, hier her nach Kiribati zu kommen.

Auf der Rückseite des Hotels befindet sich die einzige Bar im Ort. Nur wenige Gäste. Alles Einheimische. Die betrunkenen Männer singen über Mikrophon Karaoke. Klingt schrecklich. 

 

(3) Kiribati

Das Frühstück war im selben Umfang, wie am Vortag.

Eigentlich hatte ich mir überlegt, das Auto heute wieder zurück zu geben, da ich ja schon alles gesehen hatte. Aber was soll ich noch ganze 2 Tage hier machen? Ich entschied mich also, das Auto erst am Montag früh vor Abflug nach Fidschi, wieder abzugeben. Ich spielte der Dame an der Rezeption das Video vom gestrigen Abend vor. Sie meinte, dass die Leute für den 12. Juli schon proben. Da findet auf dem Sportplatz neben dem Hotel das große Fest zur Unabhängigkeit des Landes statt. "12. Juli?" dachte ich mir, das muss ich mir merken! Das will ich sehen!

Tarawa, Kiribati, Bairiki

Der Wechsel in ein Zimmer mit Balkon ließ noch eine Weile auf sich warten. Wenigstens abends noch gemütlich draußen sitzen können, dachte ich mir. Aber die Reinigungskräfte waren noch nicht soweit. Also beschloss ich, die Händler an der Straße und die Geschäfte in der Stadt abzuklappern, nach Kiribati Dollar Münzen. Es gibt neben den australischen Münzen auch noch 3 eigene Kiribati Dollars: 1, 2 und 5 Dollar Münzen. Gar nicht so einfach, wie sich bald herausstellen sollte. Keiner, den ich fragte, hatte diese Münzen. Und alle durchsuchten wirklich gründlich ihren Münzbestand in der Kasse. Eine Verkäuferin bot mir sogar an, dass ich am Abend nochmal zu ihr kommen soll. Sie würde die Münzen für mich sammeln, wenn sie welche bekommen sollte.

Leider war auch der Hair Style Shop geschlossen, sonst hätte ich mir hier die Haare schneiden lassen.

Am Hafen für 3,50 AU$ Reis mit Fisch aus der Alufolie gegessen. Die bereits abgepackten Alu-Päckchen lagen in einer Box verkaufsfertig, allerdings nicht mehr sehr warm.

Mittags wieder zurück im Hotel und in ein Zimmer mit Balkon umgezogen. Ich freute mich schon auf ein Gläschen Wein am Abend, draußen am Balkon...

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Ich fuhr wieder in den Taiwan Park nach Betio. Vom Strand bis zum Riff sind es ca. 500 Meter. Es war Ebbe und das Wasser war gerade knöcheltief.

Seegurken, Seesterne und schlangenähnliche Wassertiere fotografiert. Da ich hier barfüßig unterwegs war, und der Untergrund sehr scharfkantig ist, ging ich bald wieder zurück. Das Laufen hier macht keinen Spaß wegen den Korallen. Ich hätte mir doch besser meine Gummischuhe mitnehmen sollen. Wieder zurück beim Auto, bemerkte ich, dass sich das Wasser immer mehr zurück zog. Da beschloss ich, schnell zurück zum Hotel zu fahren, und mir meine Wasserschuhe und die UW-Kamera zu holen.

Nach einer knappen Stunde war ich an meinem Platz zurück gekehrt und ging mit den Gummischuhen ganz unbeschwert in Richtung Riff. Inzwischen ragten noch mehr Korallengebilde aus dem Wasser, aber bemerkte auch die Strömung zum Land. Es setzte bereits die Flut ein. Auf dem Weg zum Riff nahm ich allerlei Getier mit der Kamera auf. Ein Junge, der mir entgegenkam, stocherte mit seinem dicken Draht im Grund. Als er bei mir war, hielt er mir einen kleinen Oktopus unter die Nase, den er heute gefangen hat.

 

Auf dem Rückweg zum Auto wurde das Wasser trüb. Schaum und beiger Belag bedeckte die Wasseroberfläche und wurde in breiten Bändern vom Meer hereingespült. Da musste ich durch, keine Chance! Mir fielen die dicken schwarzen Rohre ein, die sich ins Meer schlängeln... Nix wie raus hier!

Um halb 5 wieder zurück beim Hotel. Die nette Verkäuferin aufgesucht. Sie hatte zwar tagsüber keine Kiribati Münzen erhalten, doch eine Freundin von ihr, die grade kam, wechselte mir eine australische 2 Dollar Münze in eine Kiribati 2  Dollar Münze. Dann kaufte ich mir noch einen anderen australischen Wein, einen Merlot, denn andere Sorten hatte das Geschäft gegenüber vom Hotel nicht. Und siehe da: jetzt konnte ich auch hier Kiribati Münzen bekommen.

Wäsche gewaschen. Die AC am Balkon trocknete meine Wäsche sehr schnell, wegen dem Gebläse. Um 18 Uhr dann zum Strand wegen Sonnenuntergang. 

 

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Der war ja sehr schön, aber ich stand mal wieder mitten im Müll, umgeben von einer Wolke aus Fliegen und Mücken.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio

Mein Eindruck von Kiribati? Zuerst fällt einem der Dreck überall auf. Man kann, egal wo, an den Strand gehen, man findet immer Müll, auch im Meer. Australien, Japan und Taiwan sind wohl die 3 Länder, die diesem jungen Staat, der seit 1979 unabhängig ist, Aufbauhilfe geben. Das Müllproblem wird aber nicht angegangen.

Das Essen besteht meist aus Reis mit Hühnchen, Schwein oder Fisch. So traditionelle Küche habe ich hier nicht gefunden. Wenn, dann höchstens noch chinesische Küche.

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio, Riesenrad
Vielleicht das kleinste Riesenrad der Welt, aber leider nicht mehr funktionsfähig!

Tourismus gibt es hier so gut wie gar nicht. Ich habe jedenfalls keine anderen Touris hier gesehen. Die Gäste im Hotel waren entweder von den Marshall Inseln, Fidschi oder Geschäftsleute aus Asien. Postkarten gibt es nur in einem Geschäft in South Tarawa kurz vor dem Flughafen. Die Post gegenüber dem Hotel befördert nur Pakete. Magnete für 'n Kühlschrank gibt es auch keine.

Baden und Schnorcheln scheidet aus. Zwischen Insel und Riff ist das Wasser zu niedrig und stinkt. Weiter hinaus würde ich mich nicht wagen, da die Wellen doch mit enormer Gewalt aufs Riff prallen. Die Lagune in der Mitte sieht sehr schön aus. Doch es ist aufgrund des verseuchten Wassers nicht empfehlenswert, hier reinzuspringen, auch wenn die Farbe des Wassers sehr verlockend erscheint. 

Was jedoch hervorzuheben ist, sind die Menschen hier. Alle sehr freundlich und hilfsbereit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich habe nie erlebt, dass mir jemand aufdringlich gegenüber stand. Daher könnte man sich sehr schnell mit dem Gedanken anfreunden, hier heimisch zu werden. Allerdings müsste man sich nicht nur an den Dreck und Gestank gewöhnen, sondern auch an die 35 Kilometer Länge und einer durchschnittlichen Breite von 150 Metern, mit ca. 40.000 Einwohnern. Hier wimmelt es auch nur so von Ratten. Sogar in meinem schicken Hotel spazieren die Viecher ein und aus, und sind nachts in der Zwischendecke zum nächst höheren Stockwerk voll in Aktion.

Mein Erlebnis heute:

Abends saß ich im Foyer des Hotels. Neben mir eine junge Hotelangestellte auf einer Bank, genau gegenüber der offenstehenden Eingangstür. Auf der anderen Seite ein Gast aus Taiwan (oder China). Plötzlich rannte eine Ratte durch die Eingangstür in Richtung Bank. Die junge Dame hob dabei nur ihre Füße leicht an, so dass die Ratte ungehindert sich unter der Bank verstecken konnte, und ließ ihre Füße wieder auf den Boden, als die Ratte unter ihr verschwunden war. Der Chinese völlig geschockt, sagte irgendetwas. Kurz darauf kam eine zweite Ratte hereingestürmt und verschwand ebenfalls unter der Bank. Wieder gingen für diesen kurzen Augenblick die Füße der Angestellten hoch. Der Chinese ging hoch wie eine Rakete und schrie vor Entsetzen, fuchtelte mit den Armen und flüchtete äußerst erregt nach oben in sein Zimmer. Die Angestellte beachtete ihn nicht und spielte weiter mit ihrem Handy, so als ob nichts passiert wäre. Eine köstliche Theatervorstellung für mich! 

Abends am Balkon mit einem Gläschen Wein? Kann man vergessen. Kein Lüftchen weht, es ist heiß wie am Tag. Die AC arbeitet auf ihrem Maximum von 16°C. Im Zimmer habe ich 25°C, mehr schafft die Klimaanlage nicht. Draußen immer noch gefühlte 40°C. Nachts wird es höchstens 2 Grad weniger. Also keine Abkühlung zu erwarten. Im Juli und August soll es noch heißer sein!

 

(4) Kiribati

War so schon nichts los, sonntags haben auch noch fast alle Geschäfte geschlossen und man sieht kaum einen Menschen auf der Straße. Auch Autos fahren selten, fast wie ausgestorben. Heute also Ruhetag!

Mittags nochmal in den Taiwan Park und zum Riff gelaufen, um noch ein paar Fotos zu machen. Um halb 4 wieder im Hotel. Hier auch zu Abend gegessen - war nicht so gut. Überall Ratten im Speisesaal, die auch den Vorhang hochgeklettert sind. So was hab ich noch nirgends erlebt.

 

(5) Kiribati

Frühstück wie immer, nur dass heute auch noch die Marmelade fehlte.

Auf dem Weg zum Flughafen noch Postkarten und Briefmarken gekauft. Die Fahrerin vom Hotel war so freundlich, und nahm meine beschriebenen Karten entgegen, da die Post noch geschlossen war. 

Am Airport dann das volle Chaos, so als ob die Angestellten hier ihren Job zum ersten Mal machen würden. Einchecken und Gepäck abgeben dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Fensterplatz im Flieger gesichert und Ausreisestempel bekommen. Dann kann man sich wieder überall aufhalten, auch außerhalb des Flughafengebäudes, obwohl man ja offiziell ausgereist ist. Die überall angekündigten 20 AU$ für die Ausreise wurde bei keinem verlangt. Die Verkaufsstände vor dem Flughafen boten keine schönen Souvenirs an. Zu Essen gab es hier auch nichts. Auf der rechten Seite des Flughafengebäudes gibt es eine Tür ohne Kennzeichnung. Hinter ihr befindet sich die VIP-Lounge mit AC, mit echt angenehmer Temperatur. Man darf hier rein, erhält aber keine Speisen und Getränke, nur die VIP-Leute.

Mit 1 Stunde Verspätung, um 13 Uhr, fliege ich wieder zurück nach Fidschi. Einerseits froh darüber, weil es hier nichts zu tun gibt. Andererseits auch etwas traurig, wegen der netten Menschen und deren Müllproblem. Also aus der Luft sehen diese Inseln wirklich wie Urlaubstrauminseln aus!

Den 12. Juli merke ich mir aber. Die Feierlichkeiten beginnen bereits drei Tage vorher, und finden auf dem Sportplatz neben dem Hotel statt. Dieses Erlebnis am zweiten Abend war doch sehr beeindruckend!

 

Tarawa, Kiribati, Bairiki, Betio
Tarawa, Kiribati

Zusammenfassung:

Eigentlich hatte ich sehr hohe Erwartungen gehabt. Alle Inseln von Kiribati, und das sind auf einer Breite von ca. 4500 km und ca. 2000 km Länge 32 Korallenatolle in den unterschiedlichsten Formen, sowie der einzigen Insel Banaba mit Erhebungen bis ca. 80 m über NN, liegen auf halber Strecke zwischen Australien und Hawai. Ein Atoll ist auf einen versunkenen Vulkan zurück zu führen. Im ehemaligen Krater liegt die Lagune, umschlossen vom Riff, das bei den Kiribati Atollen ca. 1-2 m über NN liegt. Die Hauptinsel Tarawa ist sichelförmig, wobei die Nordhälfte nur mit Booten zu erreichen ist. Lediglich die erste Insel ist mit einer Brücke zu South Tarawa verbunden. Man kann aber auch bequem zu den anderen Inseln durchs Wasser waten, da selbst bei Flut das Wasser nur kniehoch ist. Die höchste Erhebung ist ca. 5 m über NN. Manchmal ist die Insel nur so breit wie die Straße. Im Inneren des Halbkreises ist die Lagune mit herrlich türkisblauen Wasser. Der äußere Rand ist durch ein Riff geschützt, und verläuft um das gesamte Atoll im Abstand von ca. 200 - 500 m. Die Gezeiten erzeugen zwischen Riff und Strand eine Wassertiefe zwischen 10 und 50 cm. Also zum Baden völlig ungeeignet. Außerdem gibt es hier am Boden scharfkantiges Gestein oder Korallenreste, die ein Laufen nur mit Riffschuhen zulassen. Kleine stachlige Seesterne, Seegurken, Seeschlangen und ein paar kleine Fische sind hier zuhause.

Was die Ortschaften anbelangt, so sind die alle mehr oder weniger zusammen gewachsen. Also so gut wie kein unbebautes Gebiet, es sei denn, die Insel ist nur so schmal, wie die Straße breit ist. Das Schlimmste an Kiribati ist der Müll, der überall herum liegt. Vor allem an den Stränden zu beiden Seiten der Insel. Es münden dicke schwarze Rohre ins Meer. Bei Flut wird ein grau/beige/brauner Teppich mit Schaum an den Strand geschwemmt. Hier will niemand baden. Jedenfalls habe ich niemanden im Wasser gesehen. Das Meer zu beiden Seiten riecht auch nach Kloake.

Ich hatte mir neben Fidschi hier das größte Pazifikparadies erwartet, habe aber während meines Aufenthaltes hier nur wenige Weiße und Asiaten gesehen - wohl Geschäftsleute. Dabei könnte es hier wirklich sehr schön sein. Doch leider wirklich überall Dreck, Müll und Gestank. Ich habe so etwas noch nicht gesehen!

Flüge zwischen Kiribati und Fidschi gibt es montags und donnerstags in beide Richtungen. So ein 3-4 Tage Intervall reicht für einen Aufenthalt völlig aus. North Tarawa soll aber nicht so zugemüllt sein, aber schwierig zu erreichen, da nur unregelmäßig Boote über die Lagune fahren.

Zahlungsmittel ist der australische Dollar, wobei auch 3 Kiribati Dollar Münzen im Umlauf sind. Ich konnte jedoch nur die 2 Dollar Münze von Kiribati bekommen. Es gibt noch 1 und 5 Kiribati Dollar Münzen, eigene Geldscheine gibt es nicht. Es herrscht Linksverkehr!

Leider kann ich nicht sehr viel Positives berichten. Ein krasser Kontrast zu Fidschi. Dabei könnte hier ein Paradies sein. Die Voraussetzungen wären jedenfalls vorhanden. Die Bevölkerung legt aber keinen Wert darauf, und kann das Müllproblem nicht aus eigenen Kräften stemmen. Trotzdem möchte ich gerne hier noch einmal zurück - und mir die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag anschauen.

 

Jetzt geht´s wieder nach Fidschi zurück!

 

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Kommentare: 2
  • #2

    Muva (Dienstag, 02 Oktober 2018 12:01)

    Ein Urlaub mit großen Unterschieden.
    Zufriedene Menschen trotz Armut und dem Dreck.Man muss halt dort geboren sein um das auszuhalten.Auf der anderen Seite die schöne Natur für die es sich lohnt hinzufahren.
    Die Musik von Kiribati finde ich auch sehr toll. Du hast auf jeden Fall wieder viel erlebt.
    Bis zum nächsten Abenteuer alles Gute und pass auf dich auf.

  • #1

    Elisabeth (Mittwoch, 13 Juni 2018 20:35)

    Hallo Wolfgang,ja,wie kann man sich zu Deinem Bericht äußern?der erste Eindruck "Paradies",dann die erschreckende Ansicht von Dreck-Müll u.Ratten, trotzallem warst u.bist überwältigt von der Gelassen u.Zufriedenheit, wie Du auch sagst;"happy People" bewundertswert! Ja warum auch,sie kennen es icht anders, kennen u.haben nicht den Stress,mit dem unsere Menschen hier Tag ein Tag aus leben müssen um ihr tägl.Brot zum Leben zu bestreiten. Du erwähnst diese natürliche Freundlichkeit Gelassenheit,dadurch das schöne Gefühl,als kennst diese Leute schon Jahre,u.wie sich dieses freundliche hilfsbereite Entgegenkommen, Dir u.sogar den paar Touristen gegenüber ausstrahlte. Ja Wolfgang, dafür muß ich Dir aber auch ein Kompliment machen,.Du kamst u.kommst immer gut mit den armen Menschen in den vielen Ländern zurecht, Du teist so manches Leid aber auch Freud,überbringst ihnen auch so manch glückliches Gefühl, erfreust Dich über deren Lebensweise - Natur u.Tierwelt,sättigst Deine Neugierde,das sind so Deine Gründe überhaupt, für Deine Urlaubs-Weltreisen. Dazu kann ich Dir nur weiterhin viel Glück wünschen und beste Gesundheit u.God's Blessing as u'r special Friend ���