Antarktis

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, in die Antarktis reisen zu wollen? Vor allem ich, da ich ja die warmen Regionen vorziehe. Schuld war, glaube ich Grönland. Da wollte ich schon als Jugendlicher hin, und habe es dann doch erst im Sommer 2017 geschafft. Wahrscheinlich spielte bei meinem Wunsch, in die Antarktis zu reisen, auch mit, dass ich keinen bisher kannte, der bereits dort war. Ich wollte mir selbst ein Geburtstagsgeschenk machen, und deshalb im Februar 2018 dort meinen Fuß draufsetzen. Ich recherchierte im Internet, und entschloss mich für eine 10 tägige Schiffsreise von Ushuaia aus. Allerdings schon im Dezember 2017, da nach Auskunft der Reiseagentur Chimuadventures im Februar das Wetter schon wieder schlechter sein kann, und Landgänge vielleicht nicht möglich wären. Ich ging auf Nummer Sicher und buchte also den Dezember. Ich hatte Glück, dass ich noch den letzten Platz auf dem Schiff bekommen konnte. Das war im Oktober 2016!!!

Was ich dann alles so erlebte, will ich hier niederschreiben und mit Fotos ausschmücken. Trotz der Kälte, eins meiner großartigsten Erlebnisse...

Doch jetzt erst mal der Reihe nach!

Dass man nicht einfach so auf die Schnelle mal zum Südpol fahren kann, leuchtete mir ein. Die Reiseagentur versorgte mich ausreichend mit Empfehlungen, welche Kleidung man einpacken sollte. Auch mit dem Hinweis, dass man die wichtigsten Dinge wie lange Unterwäsche, Pullover und Sturmjacke mit ins Handgepäck nehmen soll, falls der Koffer auf dem Flug nach Ushuaia nicht mitkommt, um wenigstens das Wichtigste an Bord zu haben. Jeder Passagier muss vor der Reise ein Formular mit seinen Krankheiten und Medikamenten ausfüllen. Ebenso wird eine Bestätigung verlangt, dass man eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen hat, mit Rückholaktion inklusive Rückflug ins Heimatland. Man braucht also schon ein bisschen Zeit, bis man alles zusammen hat. Das hat auch etwas Gutes, da man sich dadurch gedanklich sehr mit der Reise auseinandersetzen muss. 

Der Flug von Frankfurt nach Buenos Aires dauerte 13-einhalb Stunden. Nach Ushuaia dann nochmal 3-einhalb Stunden.

Es ist ratsam, mindestens einen Tag vor Beginn der Schiffsreise nach Ushuaia zu fliegen, da die Argentinische Fluggesellschaft gerne Flüge verschiebt oder ausfallen lässt. 

 

 

Landeanflug Ushuaia 

Ushuaia, eine nette kleine Stadt am Ende der Welt! Die meisten Geschäfte, Restaurants und Cafés befinden sich in der Avenida San-Martin, ansonsten überall verstreut liegend Hotels und Guesthouses.

Sehenswert ist das Museum, das früher als Gefängnis diente und jetzt unter anderem sich der Erforschung der Antarktis widmet, mit vielen Fotos und Berichten aus früheren Jahrhunderten. 

Wie sollte es anders sein: auch mein Schiff trägt den Namen Ushuaia!

Es ist eines der kleineren Schiffe, die max. 88 Passagiere aufnehmen kann. Unterwegs sah ich noch richtig große Dampfer mit mehreren Hundert Passagieren an Bord. Ein kleineres Schiff wie die Ushuaia hat den Vorteil, dass bei Landgängen immer alle von Bord können. Es gibt diese Regularien für die Antarktis, dass immer nur max. 100 Passagiere an einem Landgang teilnehmen können! Also wichtig bei der Auswahl des Schiffes.

 

Tag 1 (22.12.2017) Ushuaia > Drake Passage

Am Nachmittag des 22. Dezembers durften alle an Bord zum Einchecken. Jeder musste seinen Pass abgeben. Als ich meinen Namen sagte, erfuhr ich, dass ich ein kostenloses upgrade erhalten sollte: "cabin number 204, upstairs"! Verwundert schaute ich die Dame an, und ging nach oben.

Hammer! Eine der wenigen Suites an Bord!

Mit Kühlschrank, Bar, TV und Musik-Anlage und großem Fenster!

Pünktlich um 18:00 Uhr verlässt die Ushuaia mit mir :-) den Hafen von Ushuaia in Richtung Antarktis! Alle Gäste in guter Stimmung - noch!

Die Fahrt durch den Beagle-Kanal dauert ziemlich genau 6 Stunden. Nach dem Abendessen wurden alle Passagiere zum ersten Briefing in den Salon eingeladen. 

"Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht", meinte der vortragende Guide. "Zuerst die gute: wir werden traumhafte Landschaften sehen, verschiedene Pinguin Arten, Robben, Delfine, viele Vögel und vielleicht sogar Seeleoparden, Seeelefanten und Wale. Die schlechte Nachricht: wir müssen aber zuerst durch die Drake-Passage"!

 

Tag 2 (23.12.2017) Drake Passage

Ziemlich genau um Mitternacht erreichten wir die Ausfahrt vom Beagle-Kanal. Man merkte es deutlich am Wellengang. Da ich am ersten Abend noch lange im Salon mit anderen Gästen zusammen saß, und aufgrund des Schaukelns vom Schiff, machte ich in der ersten Nacht fast kein Auge zu. Die Ärztin an Bord versorgte alle ängstlichen Kreaturen mit Tabletten gegen die Seekrankheit. Da ich ja nicht schlafen konnte: ich lag quer zur Fahrtrichtung, so dass ich einmal nach unten in Richtung Fußteil rutschte, um im nächsten Moment mit dem Kopf am oberen Bettrand anzukommen, hörte ich nachts von allen Seiten in meiner Umgebung durch die Kabinenwände das typische Geräusch, wenn Mahlzeiten nur halb verdaut weiter oben ausgeschieden werden.

Heute morgen um 7:00 Uhr dann der Weckruf über die in jedem Zimmer sich befindlichen Lautsprecher: zuerst etwas sanfte Musik, und dann die Einladung um 8:00 Uhr im Restaurant das Frühstück einzunehmen. Es kamen bei Weitem nicht alle Passagiere... 

Die Drake-Passage, berühmt berüchtigt für Wellen bis zu 15 Meter Höhe. Wir hatten maximal 3 Meter, aber das reichte auch schon! Beim Besuch des Kapitäns auf der Brücke meinte er, dass dieses Schiff bei jedem Seegang auslaufen könne. Im September gab es wohl 10 Meter Wellen. Da hätte sich das Schiff erst so richtig wohl gefühlt - und grinste dabei. Die Gäste allerdings nicht. Selbst wenn man nicht seekrank ist, das Gehen an Bord ist während einer solchen tour fast nicht mehr möglich. Angeblich könnte das Schiff einen Neigungswinkel von 73° aushalten. Unglaublich!

 

Tag 3 (24.12.2017) Barrientos Island

Wir waren jetzt schon 30 Stunden unterwegs. 2 Nächte und einen Tag. Nach meinem GPS (ich setzte alle 6 Stunden eine Markierung, siehe links) müssten wir am frühen Nachmittag antarktisches Land sehen. Das Wetter war trüb, es regnete. So um die Null Grad, aber der heftige Wind ließ eine viel niedrigere Temperatur fühlen.

Ja und dann nach dem Mittagessen: Land in Sicht! Die ersten Inseln tauchten aus dem Nebel auf.

 

Wahnsinn! Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. 

 

Und schon wurden die Wellen kleiner, das Schiff schaukelte nicht mehr so sehr, die Inseln kamen immer näher. Dann die Durchsage: "Bitte bereit machen zur ersten Landung auf antarktisches Territorium"!

 

Ach Gott! Geil! Weihnachten! 

Erster Landgang: Barrientos Island

Nachdem die Guides die Landestelle mit den Zodiaks in Augenschein genommen hatten, kamen sie zurück zum Schiff. Dann ging alles ganz schnell: zuerst die Gummistiefel desinfizieren (man lief durch so eine Art Blechwannen mit Lauge und bürstete die Stiefel daneben ab). Dann immer 8 Personen die Treppe runter und ins Zodiak. Ein paar Minuten später, die ersten Schritte im Wasser, dann... ja dann stand ich auf der Antarktis. Ein tolles Gefühl! Ja, ich war am Ziel. Inmitten von Pinguinen mit ihren Küken, andere brüteten noch. 

                   Gentoo Pinguine                                        Chinstrip Pinguine                                  Antarktikskua

Hier leben die beiden Pinguinarten zusammen: Eselspinguine (Gentoo Pinguine) und die Zügelpinguine (Chinstrap Pinguine).

Im Schneetreiben ging´s mit den Schlauchbooten wieder zurück zum warmen Schiff. Total happy, aber mit eiskalten Händen, weil ja alles fotografiert werden musste.

Die Treppe am Heck vom Schiff rauf, durch die Blechwannen mit den Bürsten. An der Tasse Tee zuerst die Finger gewärmt, dann den restlichen Körper wieder auf Betriebstemperatur gebracht.

Während alle bei bester Laune beim Abendessen im Restaurant saßen, nahm das Schiff schon wieder Fahrt auf zum nächsten Ziel. 

Am Abend feierten die Deutschen und Österreicher den Heiligen Abend. Also auch wieder eine kurze Nacht...

Tag 4 (25.12.2017) Hydrurga Rocks + Portal Point

Das Schiff lag relativ ruhig vor unserem nächsten Ziel: Hydrurga Rocks vor Two Hummok Island, als ich früh zum ersten Mal aus dem Fenster schaute.

Was wird wohl dort zu sehen sein?

Es ist erst 7:00 Uhr. Ah ja, jetzt wieder die übliche Durchsage mit Einladung zum Frühstück um 8:00 Uhr, schön.

Die frische, nein! Die eiskalte Brise am Außendeck weht jede Müdigkeit aus den Knochen. Ich genieße es trotzdem. Mit einer Zigarette.

Meist bin ich draußen. Nur durchs Fenster schauen, und die Landschaft an einem vorbei ziehen lassen? Ne, das ist ja wie fernsehen.

 

Und immer wieder springen die Pinguine mit schnellen Tempo aus dem Wasser, um einen Meter weiter wieder kopfüber ins Wasser zu tauchen.

 

Ach ja, Frühstück! Und danach gleich wieder in die warmen Klamotten für den nächsten Landgang - Hurra!

Zweiter Landgang: Hydrurga Rocks

Ganz flink im Wasser, aber beschwerlich an Land. Und trotzdem müssen ein paar von ihnen den Berg hoch!

Stolpern, fallen auch manchmal um. Einfach klasse, ihnen zuzuschauen.

Wenn´s nicht so kalt wäre, an den Fingern, könnte man die Pinguine den ganzen Tag beobachten. 

Aber schon kommt das Zeichen für die Rückfahrt zum Schiff...

 

Warte! Da ist noch ein Eisberg und Robben und...

Auf dem Weg nach Portal Point die ersten Wale dicht am Schiff. Mit etwas Glück bekommt man doch manchmal ein großes Stück Walrücken aufs Foto!

Erster Landgang auf Festland: Portal Point

Portal Point begrüßt uns mit trübem Wetter. Die eisige Überfahrt vom Schiff zur Landestelle ist nur kurz. Man muss aufpassen, dass man hier nicht auf die Robben steigt. Die kann man leicht als Felsen übersehen.

Finde die Weddell Robbe...

Hier führt der Weg dann über Schnee den Berg hinauf zu einem Rundgang, von dem man auf alle Seiten die gebirgige Landschaft mit Schnee und Eis auf sich wirken lassen kann.

Tag 5 (26.12.2017) Neko Harbour

Die Markierungen zeigen von oben nach unten: 

> Hydrurga Rocks

> Portal Point

> Neko Harbour

 

Neko Harbour liegt am Festland der antarktischen Halbinsel und beherbergt eine aufgegebene argentinische Forschungsstation. Man sieht nur noch eine kleine Betonfläche vom Fundament der Hütte. Diese Fläche machen sich die Pinguine zu eigen, wohl weil kein Schnee darauf lag. Neko Harbour ist umgeben von mächtigen, aufgefalteten Gletschern. Wir hörten es 2 Mal Krachen und Donnern. Aber leider wurden wir nicht Zeugen von einem Abbruch.

Zweiter Landgang auf Festland: Neko Harbour

Die Eselspinguine oder auch Gentoo Penguine genannt, waren hier noch mit dem Brüten beschäftigt. Keine Küken zu sehen. Das Bemerkenswerte an ihnen und all den anderen Tieren hier ist, dass sie nicht scheu sind und weglaufen. Ein Abstand von ca. 5 m ist für die Vögel ok. Stets beschäftigt, lassen sie sich durch Menschen nicht stören. 

Immer wieder schön zu beobachten: die sogenannten Pinguin Highways!

Wenn nach Schneefall einmal ein Weg besteht, laufen alle darauf, bis der Weg sich immer tiefer hineinfrisst. Umso leichter ist es, darin vorwärts zu kommen. Der Weg hier ist nicht etwa schon auf dem steinigen Untergrund durchgewatschelt. Nein, die scheiden überall mit Hochdruck aus. Der Vogel dahinter hat einfach Pech gehabt, würden wir sagen. Aber ich habe nie erlebt, dass deshalb ein Pinguin auf den anderen sauer war.

Wir befanden uns bereits wieder auf dem Schiff. Da bemerkte ich unweit diese beiden Orcas! Die Guides meinten, ich hätte großes Glück gehabt, die zu sehen als ich meine Fotos zeigte. Selbst ein Guide, der schon 10 Jahre diese Touren mitfährt, hatte die Killerwale nur 3 Mal zu Gesicht bekommen.

Von Neko Harbour aus, fuhren wir weiter südlich. Traumhafte Landschaften auf beiden Seiten... 

Wir näherten uns mit Spannung einer Meerenge, gefüllt mit Eisbergen. Zwar fuhr das Schiff in Schritttempo, rammte aber dennoch immer wieder kleinere Eisstücke.

Nachmittags durchfuhren wir den Lemaire Channel.

Rechts auf der Karte Neko Harbour.

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, es war nahezu windstill. Die meisten Passagiere hielt es nicht mehr drinnen. Eine Landschaft zog an uns vorbei, unbeschreiblich...

Ganz nah zwischen Festland und Insel hindurch. Alle Passagiere an Deck. Selbst die redseligen unter ihnen waren still geworden, beeindruckt von der Schönheit. 

Als ob es noch nicht genug wäre an dieser Schönheit - man konnte sich gar nicht satt sehen daran - gelangten wir zur Salpetriere Bay. Das war dann von allem nochmal eine Steigerung.

Ohne Vorwarnung sollten wir uns wieder bereit machen für einen Zodiak Cruise. Noch an Bord: wieder Buckelwale...

Wie schon angedeutet, erwartete uns am Nachmittag noch ein Ausflug mit dem Schlauchboot. Die Bucht voller gigantischer Eisberge, andere mit seltsamen Formen. Wieder andere, als ob im Inneren blaues oder grünes Licht brennt.

 

 

 

 

 

 

 

Noch seltener als Orcas zu sehen, sind Seeleoparden. Ausgesprochenes Glück, ganz nah an einem solchen Tier zu sein!

Crabeater seal (Krabbenfresser)

Ich weiß noch genau. Es war 23:00 Uhr, und wollte hoch in meine Kabine. Ach, dachte ich, ich geh noch mal raus, und schau mal bisschen...

Unser Schiff steuerte geradewegs auf die hinter einem Berg versinkende Sonne zu. 

Ich betrachtete ein weiteres Mal das Schauspiel der Farben.

Und dieser Sonnenschein ließ den hier nachfolgenden Berg hinter dem Schiff in Gold erglänzen:

Die See war ruhig hier zwischen Festland und Inseln. Ich konnte schnell einschlafen.

Tag 6 (27.12.2017) Port Lockroy

Fünfter Landgang: Port Lockroy

Unser Schiff erreichte bereits in der Nacht die Bucht von Port Lockroy. Strahlend blauer Himmel. Nach dem Frühstück wurden wir auf die kleine Insel gebracht, die schon vor über Hundert Jahren von den Engländern als Forschungsstation genutzt wurde.

 

 

  

Die ersten Küken der Eselspinguine sind bereits geschlüpft.

Vier junge Forscher beobachten hier das Brutverhalten der Pinguine. Bisher konnte aber noch kein Unterschied zu anderen Pinguinen festgestellt werden, die keinen Kontakt mit Menschen haben.

 

Hier gibt es wohl auch die einzige Poststation in der Antarktis.

Ein Teil des Gebäudes wird als Museum bewahrt. So wird erzählt aus früheren Zeiten, dass ein Forscher Frauenportraits an die Innenwände gemalt hat. Die hatten dann nach Jahren wohl doch Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht bekommen. Diese Frauen sind nun auf Briefmarken abgebildet.

Kaum, dass wir alle wieder an Bord sind, verlässt unser Schiff diese malerische Bucht. Viele Passagiere stehen verstreut außen am Deck des Schiffes und genießen wie ich die Ausfahrt. Anfangs begleiten uns noch verschiedene Vögel. Doch als wir wieder Fahrt aufgenommen hatten, flogen alle wieder zurück und wir gingen zum Mittagessen.

Eigentlich war für Nachmittags noch ein Landgang geplant. Ein paar Zodiaks schwärmten aus, wie jedes Mal, um die Möglichkeit einer Landung auszumachen. Aber man sah es schon vom Schiff aus, dass die kleine Bucht voller Packeis gefüllt war und so eine Landung unmöglich machte. Wir fuhren also weiter in Richtung Danco Island.

Das Wetter blieb den ganzen Tag über schön, so dass man es sich draußen am Schiff auf einer Bank gemütlich machen konnte.

 

Beeindruckende Eislandschaften zogen vorbei. Auf Eisschollen ruhten Robben und Seelöwen. Ab und zu sprangen Pinguine aus dem Wasser.

 

Wie auf einem anderen Planeten.

Das Meer zwischen Festland und Inseln wurde enger. Aufgrund der Eisberge fuhr das Schiff sehr langsam, um ausweichen zu können. Aber genau richtig, für die nächste Attraktion! Zusammen mit ein paar anderen Passagieren konnte ich wieder mal Wale, diesmal Buckelwale, fotografieren.

Grandios! Ganz nah am Schiff! Bei solchen Ereignissen, die normalerweise nur wenige Minuten andauern, stoppt das Schiff. Es waren mindestens 10 Wale!

Und, als ob sie sich mit Winken von uns verabschieden möchten, legten sich einige auf die Seite, und zeigten ihre mächtigen Seitenflossen:

Dann tauchte einer nach dem anderen ab.

 

Wenn sie ihre Schwanzflossen zeigen, tauchen sie in die Tiefen des Eismeeres ab und sind verschwunden.

Jeder Wal hat an der Unterseite seiner Schwanzflosse eine andere Zeichnung. Von ganz schwarz bis fast ganz weiß sind alle Variationen möglich. Mit entsprechenden Fotos kann man diese einer Datenbank im Internet zur Verfügung stellen und jeweils den Ort nennen, an dem der Wal gesichtet wurde. So können Forscher nicht nur die Anzahl, sondern auch die Wanderungen nachvollziehen.

Es ist nicht möglich, Danco Island zu betreten.

Wir umkreisten jedoch die kleine Insel bei eisigem Sturm. Jeder war froh, wenn das Schlauchboot mal hinter einem großen Eisberg Schutz gefunden hat. Da war der Wind nicht mehr ganz so bissig.

Die Kamera stets griffbereit, ließ es die Situation nicht zu, dass man Handschuhe hätte anziehen können. Zu oft nur würde man Motive verpassen um sie zu fotografieren.

 

Die Meeresoberfläche war aufgewühlt vom Wind, so dass die vorderen Passagiere auf dem Zodiak nicht trocken blieben.

 

 

 

Der blaue Himmel täuscht warme Temperaturen vor. Oh nein! Eiskalt, wenn auch nur knapp unter 0 Grad. Gefühlte Minus 20 Grad durch Fahrtwind, Sturm und enorme Zugluft an bestimmten Stellen zwischen den Eisbergen.

Völlig erschöpft und mit eiskalten Händen vom Festhalten der Kamera mit der einen und am Seil des Schlauchbootes mit der anderen Hand, trafen alle, heil froh, dass die tour nun zu Ende war, wieder am Schiff ein.

 

Aber total happy und dankbar, wieder Tiere, Landschaften und sonderbare Eisberge gesehen zu haben.

Es war auch leider zugleich der letzte sonnige Tag.

Tag 7 (28.12.2017) Deception Island

Sechster Landgang: Deception Island

Nach dem Frühstück orientierte ich mich auf meiner GPS-Karte. Nur noch ein kurzes Stück bis Deception Island. Die Insel wurde uns als etwas ganz Besonderes angekündigt und schmackhaft gemacht. Naja, Vulkaninsel... ok! Hier ist ja alles vulkanischen Ursprungs. 

Die Guides erzählten uns, dass auf dieser Insel ein Vulkan noch aktiv ist. Alle 50 Jahre bricht er aus. Das letzte Mal vor 48 Jahren. Wir können also ganz unbesorgt an Land gehen... Und genau diesen Vulkan werden wir ansteuern, und den Kraterrand besuchen.

Was aber viele in Begeisterung ausbrechen ließ, war die Info, dass es möglich wäre, dort zu baden. Aufgrund der Erdwärme liegt hier nur an sehr wenigen Stellen Schnee. Das Wasser wäre mollig warm.

Leider mussten wir vor der Einfahrt in den Inselring mehrere Stunden warten, da sich bereits ein anderes Schiff im Inneren des Rings befand. Es darf nach den Regularien immer nur ein Schiff einfahren.

Endlich! Am frühen Nachmittag war es dann soweit. Mit langsamen Tempo schaukelte sich unser Schiff, das immer wieder vor dem Eingang hin und herfuhr, hindurch.

Umringt von schwarzen Hügeln und Bergen, voraus dichter Nebel,  näherte sich unser Schiff bei langsamer Fahrt dem Ziel: Goddard Hill.

In sicherer Entfernung stoppte das Schiff, alles fertig zur Landung! Im Salon fragten wir uns alle, wer baden geht. Ja, na klar! Ausnahmen gab es natürlich auch, die es nicht machen wollten. Die Crew, scheinbar wollten die auch mal was zum Lachen haben, wies immer wieder darauf hin, dass, wer möchte, hier baden kann. Sie bringen auch genügend Handtücher mit. Und die, die ins Wasser gehen, werden auch hinterher gleich als erste wieder an Bord gebracht mit den Zodiaks. Klar, dass sich dann auch noch ein paar Zögerliche dazu entschieden, gleich die Badesachen drunter anzuziehen. OK! Es ging zum Letzten Mal an antarktisches Land! In kleinen Gruppen erreichte meine Gruppe als erste das Ufer und danach den Kraterrand.

Wieder zurück am Ufer und den Schlauchbooten wurden wir von hier aus dann mit den Zodiaks weiter transportiert zur Telephone Bay. Die Fahrt dauerte nur knappe 10 Minuten. Alle waren ganz heiß auf die warmen pools...

Nur wenige Pinguine verirrten sich hier her. Wahrscheinlich ist es den anderen hier schon viel zu warm...

Ein junger Seeelefant schaute uns interessiert zu.

Hier gab es also die Pools! Ja, nur waren die ca. 50 - 60 Grad heiß. Der Dampf, der von den Pools aufsteigt, verdeutlicht es. Mmhh... Die Hände mal am Ufer ins Wasser gehalten. Angenehm lauwarm. Doch 20 cm weiter: eiskaltes Meerwasser wie überall hier! Oje! Jetzt nur keinen Rückzieher machen und vor dem Baden kneifen. Nein! Das geht auf keinen Fall. 

 

Also: nur wissend, jetzt in ein kaltes Wasser zu gehen, zog sich einer nach dem anderen aus...

Polar Plunge at Pendulum Cove

Kalt geduscht, das kennt man. Aber das hier... Es war eisig! Jedes Kleidungsstück, das ich ablegte, ließ den heftigen Wind immer deutlicher spüren. Ich stand nur mit Badehose bekleidet auf grobem Lava Sand. Nahm Anlauf und kopfüber ins Wasser wie ein Pinguin. In diesem Moment dachte ich, ich verliere das Bewusstsein. Mein einziger Gedanke: ich muss hier wieder raus! Ich nahm alle Kräfte zusammen, um mich wieder aufzurichten. Mein Oberkörper befand sich wieder über der Wasseroberfläche. Ich kam so langsam wieder zu mir. Nur schnell hier wieder an Land...

Es fühlte sich an, als ob ich stundenlang im Wasser war, als ich wieder den körnigen schwarzen Sand unter meinen Füßen spürte. Der eisige Wind vor dem Sprung fühlte sich jetzt plötzlich ganz warm an. Mein Fotograf meinte, ein Foto vor dem Gletscher sähe toll aus. Na, warum nicht. Ich fror ja nicht, so postierte ich mich vor dem Schnee.

Viel Geschrei und Gelächter von den Anwesenden hier, als einer nach dem anderen ins Wasser sprang.

Die ersten acht Wagemutigen wurden auch gleich wieder an Bord der Ushuaia gebracht. 

Glücklich und zufrieden trafen dann alle beim Abendessen in der Lounge ein.

Ich nahm draußen an Deck Abschied von der Antarktis. Ich nahm Abschied von einer Welt, die abgeschiedener und einzigartiger nicht sein kann. Überall unberührte Natur.

Und so, als ob auch die Antarktis sich von mir verabschieden möchte, zeigte sie sich noch ein letztes Mal mit einem gewaltigen Eisberg. Vielleicht 20 m hoch und 50 m lang. Nur die größten Eisberge schaffen es bis hier her. Er sah auch schon ziemlich mitgenommen aus, da nur noch ein paar Säulen auf seinem mächtigen Untergrund standen, geformt und umspült von den eisigen Wellen, die schon länger und unablässig an seinem Körper nagten.

Tag 8 (29.12.2017) Drake Passage

An die allmorgendliche Musik aus dem Lautsprecher und der Durchsage, dass es ab 8:00 Uhr Frühstück gibt, hatte ich mich schon gewöhnt. Hab das einfach über mich ergehen lassen, und bin erst um ca. 9:00 Uhr aufgestanden. Wir befanden uns schon wieder weit draußen in der Drake Passage. Ich wunderte mich, dass es nicht mehr schaukelte. Ich zog den Rollo hoch vom Fenster. Alles grau, kaum Wellengang.

Cape Petrel (Kapsturmvogel)

 

Ich ging runter, trank gemütlich eine Tasse Kaffee. Mit voller Montur an Deck den Vögeln zugeschaut, wie sie dicht über der Wasseroberfläche, geschickt allen Wellen ausgewichen sind, die von unserem Schiff erzeugt wurden. So schaute ich über die Wasseroberfläche und versank gedanklich in den Fluten...

Tag 9 (30.12.2017) Beagle Kanal

Am Nachmittag erreichten wir wieder die Einfahrt zum

Beagle Kanal. Erst am Abend zeigte sich spärlich noch die Sonne.

Die Temperaturen kletterten bereits auf 5 Grad Plus. 

Sommer am Ende der Welt.

Am letzten Abend wurde von der Crew ein toller Abend veranstaltet. Jeder Passagier wurde namentlich aufgerufen und bejubelt, als er seine Urkunde überreicht bekam. 

Das Ganze wurde mit Sekt gefeiert, bis tief in die Nacht hinein.

Tag 10 (31.12.2017) > Ushuaia

Das letzte Mal die Melodie aus dem Lautsprecher. Das letzte Mal die herzliche Einladung zum Frühstück ab 8:00 Uhr. Dann heißt es alles zusammen packen und die Tasche vor die Tür stellen.

Noch eine letzte Zigarette an der Reling. 

Die ersten Koffer werden in einem Netz mit Hilfe eines kleinen Krans von Bord gehievt, und von den ersten Eiligen bereits in Empfang genommen.

Ich habe noch Zeit. Meinen Mietwagen kann ich erst um 10:00 Uhr gegenüber vom Hafen in Empfang nehmen.

Gedankenfetzen der letzten Tage huschen durch meinen Kopf.

Zufrieden gehe ich von Bord!

Kommentare: 7
  • #7

    Peter Oldenburg (Dienstag, 20 Februar 2018 02:04)

    Lieber Wolfgang, Ich bin schwer beeindruckt. Kann man wirklich nicht besser machen.

  • #6

    Brouda (Donnerstag, 08 Februar 2018 17:32)

    Hey Brouda,
    sehr schöner Reisebericht - fast als wäre man dabei gewesen �� und vor allem geile Fotos - wow!!!!

    Viele Grüsse
    Brouda

  • #5

    deine Eltern (Sonntag 04.02.18 ) (Sonntag, 04 Februar 2018 17:15)

    Hi Wongi
    Wir sind so stolz auf dich dass du dir das zugetraut hast, aber du liebst ja das extreme,
    Für einen Weltreisenden wie du war das ein weiterer Höhepunkt.
    So eine Reise macht man nur 1 mal. Du hast sie sehr genossen das kann man deinem Bericht entnehmen. Diese faszinierenden Bilder man muss sie immer wieder ansehen.
    Sind schon gespannt auf deinen nächsten Reisebericht.

  • #4

    Elisabeth (Sonntag, 04 Februar 2018)

    Auch deine Videos sind so aufschlussreich und so süss mit den Pinguins, vor allem der watschelnde. ♡lichen Dank�

  • #3

    Elisabeth (Samstag, 03 Februar 2018 23:56)

    Now my dear Wolfgang, you finaly completet u'r beautiful Story of the Antartik, I beleive,no One could ever prescribe u'r true-live-Story any better, thank you so much, you leave a.very good feeling behind, that I actually could live in my thoughts every Moment throughout with you, just great, & you can be very prowed of yourself, because I am of you too! Best Wishes for u'r next Report-Story & Picture's, Elisabeth!

  • #2

    Elisabeth (Freitag, 02 Februar 2018 01:00)

    Ein wunderbarer erlebnisreicher Bericht Wolfgang, faszinierend, auch bewundernswert deine Memos u.Ausdauer wie gesagt; freu mich schon auf deinen nächsten Bericht über deine Weltreise, thx a lot, very enjoyable to reed u'r Storys Wolfgang

  • #1

    Elisabeth (Sonntag, 28 Januar 2018 13:03)

    Es ist nicht nur dein Bericht über deine ereignisvollen Erlebnisse in der Antartik Wolfgang, auch deine wunderbaren Bilder, gut getroffene- gelungenen Schnappschüsse, sprechen Bände! Da ich in meinem ganzen Leben mich hauptsächlich gerne "nur"mit wahren Begebenheiten"true Story's "befasse; somit auch die Menchen erkenne u.einschätzen kann mit ihren Werten! Es ist eine schöne Geeste, daß du den anderen Menschen mit od.durch deinen Berichten über die eigene Erfahrung u.Erlebnisse in anderen Ländern, die Möglichkeit bietest, Einsicht zu bekommen in das Leben anderer Erdteilen u.vor allem, der unterschiedlichen Natur,Menschen und der Tierwelt. Bin schon gespannt auf deinen nächsten Bericht; mache dir aber einen Vorschlag; würde es befürworten, alle deine Berichte in ein od.mehreren Bücher umzuwandeln. Denn es wäre nicht nur interressant, sogar wichtig für viele unserer Mitmenschen,mag es sein, durch Geld od.Zeitnot od.auch Krankheit kaum die Möglichkeit haben, obwohl sie es sich wünschten auch einmal Life das mit zu erleben. Ich bin mir sicher,es wäre nicht nur ein Vorteil, so wie ich dich kenne, lässt du Allen gerne an deinem Wissen u.Freude teilhaben. Ich wünsche dir auf jedem Fall weiterhin Erfolg u.viel Glück, �